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Mond und Mars, erste Astrofotos

Zu dieser Nacht gibt es noch die alte Foto-Galerie, die aber nicht über das Menü verfügbar ist.

Bebobachtungbericht vom 21.09.2005

Beobachtungsbeginn ca. 22:30 Uhr
Beobachtungsende 22.09.2005 ca. 2:30 Uhr
Anfangs etwa Seeing 3, später etwa Seeing 2, Sterne nur in Horizontnähe leicht am flackern, sonst wie "genagelt" ; gute Transparenz
Skywatcher 150/750 Newton auf EQ3 , 40 cm Tauschutzkappe, 9x50 Winkelsucher von Orion mit 9cm Tauschutzkappe, Nachführung der RA , nachgerüstet: Motor an Dek. Achse und motorische Fokussierung.
Kamera : Canon Powershot A510

Eigentlich war ich ja nicht losgezogen um meine neue Digitalkamera am astronomischen Objekt auszuprobieren. Zumal ich ja noch nicht mal über eine Digiklemme zum Befestigen der Kamera am Teleskop verfügte. Ich wollte lediglich ein paar schöne Nachtaufnahmen machen, und die längste Einstellbare Belichtungszeit von 15 sec. einmal ausreizen. Doch wie so oft, gestaltete sich der abend ganz anders...alle Bilder gibts in einer kleinen Galerie.

Ankunft, Mond





Bei meiner Ankunft war es noch recht mild, so ca. 12-13. Mond und Mars standen im Abstand von ca. 10 gut sichtbar etwa 15-20 in SOO über dem Horizont. Der neue Beobachtungsort auf dem Brelinger Berg war wirklich besser als der bisherige. Kaum Verkehr, besserer Himmel, weniger Streulicht von Hannover und es war keine Landwirtschaft zu befürchten. Die Milchstrasse war durch den Mond nicht sichtbar. Die Grenzgröße lag unter 4 mag, da die Deichselsterne des Kleinen Bären nicht mehr wahrnehmbar waren. Der Mond schien so hell, daß das Teleskop einen deutlichen Schatten warf.
Die Justage hatte ich zu Hause schon genau vorgenommen, so daß hierfür nur eine kleine Korrektur nötig war.

Zuerst ging ich mit kleiner Vergrößerung an den Mond heran, um dem Teleskop mehr Zeit zum Abkühlen zu geben. Mit dem 25mm Kellner Okular und dem Polfilter stellte sich der Mond mal wieder prachtvoll dar. In Terminatornähe zeigte das Bild einen fantastischen Kontrast. Die dunklen Flächen der Meere zeichneten sich sehr deutlich ab. Das Strahlensystem von Tycho war umwerfend. Der kleine Krater Aristarch ziemlich am Rand war schneeweiß.

Dann habe ich erstmal ein paar Aufnahmen von dem Teleskop am Beobachtungsort gemacht, zuerst mit Blitz, dann mit Langzeitbelichtung. Ebenso habe ich versucht die Szenerie von Mond und Mars mittels Langzeitbelichtung festzuhalten.



Von den Aufnahmen inspiriert habe ich die Digicam auch einfach mal hinters Okular gehalten und auch dort verschiedene Aufnahmen bei unterschiedlichen Vergrößerungen, Belichtungszeiten und ISO Werten probiert. Die Ergebnisse im Display schienen vielversprechend zu sein.

Mars

Auf Mars mit jetzt 16,7" Durchmesser war ich gespannt. Vor 3 Wochen, am 24.08. hatte ich ihn mit Freunden schonmal im Visier, da war er mit 13,4" noch wenig beeindruckend. Bei 75-facher Vergrößerung (9mm Plössl) war nun schon deutlich die Planetenscheibe sogar mit kleinen Schattierungen zu erkennen.
Mars war ziemlich hell, und er schien sich selbst zu überstrahlen. Bei 125-facher Vergrößerung (6mm Plössl) entpuppten sich die Schattierungen im oberen Drittel (spiegelbildlich und seitenverkehrt, also in der Südhälfte) als kleine "Augenbrauen". Mit Einsatz des Polfilters sind die "Augenbrauen" zwar etwas schwächer, aber Mars wirkt insgesamt stärker orange-rötlich, einfach "marsiger".

Es war jetzt etwa 00:45 Uhr. Bei 208-facher Vergrößerung (3,6mm Kellner) zeigten sich meine "Augenbrauen" doch wieder als durchgezogenes Band, allerdings machte sich doch momentan ein ungünstiges Seeing bemerkbar. Die südliche Polkappe war zwar erkennbar, aber deutlich kleiner als bei der letzten Beobachtung am 24.08..

Eigentümlich war, daß Mars nicht ganz rund erschien, sondern links unten abgeflacht wirkte, als hätte er eine Phase. Ebenso erstaunlich war es, daß ich auch eine nördliche Polkappe zu sehen vermeinte. Ich probierte mal 304-fache Vergrößerung (3,6mm Kellner mit 1,5 fach Barlow) aus. Ich war überrascht, zwar ließ das Bild deutlich an Qualität nach, aber das dunkle Band grenzte sich noch etwas deutlicher ab. Auch hier meinte ich 2 Polkappen sehen zu können. Ich wechselte nochmals zu 208-facher Vergrößerung mit Polfilter.

Inzwischen stand Mars nun noch höher und das Seeing wurde deutlich besser. Zwar schluckt der Polfilter bei dieser Vergrößerung selbst bei 5% Abdunklung m.E. schon fast noch zuviel Licht, aber das Bild wird deutlich kontrastreicher, ohne Polfilter wirkt es wiederum leicht überhellt. Ich war mir aber ziemlich sicher 2 Polkappen zu erkennen.

Nun habe ich dreisterweise auch versucht Mars durchs Okular zu fotrografieren. Mit 125-facher Vergrößerung und 4-fach Zoom (!) an der Kamera erzielte ich folgendes Bild (Belichtungszeit 1/30 sec., Blende 5.6, ISO 100) ...

Gar nicht mal so schlecht für die Verhältnisse. Ich probierte auch noch weitere Mondfotos. Bei 30-facher Vergrößerung, unterschiedlichem Zoom, ISO 100, Belichtungszeiten von 1/30 bis 1/80 sec. und Blende 2.6 - 5.5 gelangen mir gar nicht mal so schlechte Bilder. Hier eins davon.....



Lange hätte ich noch Beobachten können. Die Nacht war angenehm mild und die Szenerie einfach wunderbar. Aber wenn die Konzentration nachlässt macht es auch nicht mehr richtig Spaß. Nach einem anstrengenden Arbeitstag merkte ich dann irgendwann meine Grenzen. Gegen 2:30 Uhr baute ich ab und verließ schweren Herzens den durch den Mond wunderschön erhellten Beobachtungsort. Mars und Mond verabschiedeten sich nun schon hoch am Himmel von mir.


tinc