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Erste Tests mit Notebook

Erste Erfahrungen mit der Littlefoot am Notebook vom 09.01.2006

Endlich war es soweit. Nach langen Vorbereitungen und 5 Wochen schlechten Wetter konnten wir zum ersten Mal Erfahrungen mit der ADM und der Littlefoot im Einsatz mit Notebook und Webcam sammeln. Mit von der Partie war endlich mal wieder mein Beobachtungs- und Arbeitskollege Carsten, ohne dessen technische Unterstützung vieles so nicht ausführbar gewesen wäre. Zum Equipment: Was wollten wir testen:
Goto mit Cartes du Ciel, fokussieren mit der Webcam mittels Giotto, Autoguiding mit Startrack und der MCU Control Plus, PEC (Schneckenfehlerkorrektur), Intelly Track und vieleicht schon erste Aufnahmen vom Saturn mit der Webcam. Außerdem stand noch die Wirkungsweise meiner selbstgebastelten "Hundehütte" gegen Taubeschlag für das Notebookund die Haltbarkeit des Akkus bei Minusgraden an. Wir hatten zwar noch eine stärkere Akkukombi zur Auswahl, aber die ist extrem schwer und wir wollten es erstmal mit dem einfachen Akku probieren. Im Testlauf auf dem Balkon bei allerdings 2-3 lief er gut 3 Stunden.

Der Test

Gegen 23 Uhr waren wir an unserem Lieblingsbeobachtungsort in Brelingen angekommen. Mit minus 5 war es ziemlich kalt. Es war 2/3 Mond und sehr hell, diesmal kam uns das sehr entgegen, denn die vielen Kabel laden im Dunkeln sehr zum Stolpern ein. Zum Aufbau brauchten wir gut eine Stunde. Die Einnordung nahm ich recht zügig mit dem Polsucher vor, auch auf die Gefahr hin, bei einem späteren PEC Test ungenaue Korrekturwerte zu erhalten. Wozu ist uns Goto so wichtig, obwohl wir mit der Steuerung und den Motoren nicht den ganzen Himmel abschwenken können? Wenn man an einem hellen Stern fokussiert und dann zum dunklen Objekt wechselt, so ist Goto sicher hilfreich.

Zuerst visierte ich Rigel im Orion an. Dann schaute ich durchs Okular, und zentrierte Rigel. Leider hatte ich beim Aufbau nicht die Stellung bedacht und der OAZ schaute fast zum Boden, das war in diesem Fall aber nicht so störend, da ich nur zum Anvisieren und prüfen durchs Oku schauen wollte. Ich überprüfte am MCU Control nochmal, ob ich die Einstellung für die Dek. Achse auf Westen gestellt hatte (so war die RA Achse geschwenkt). Im MCU Update Control Plus ist auch ein Objekt Katalog für Goto, aber ich finde es einfach praktischer die Objekte auf einer Sternkarte anklicken zu können.

Nun starteten wir Cartes du Ciel, stellten die Verbindung zur Steuerung her, synchronisierten auf Rigel, klickten auf M42 und dann auf Goto. Die Steuerung schnurrte los. Und wirklich, nach 30 Sekunden war M42 genau in der Okularmitte. TOLL!!! Und nun zu Alnitak (Zeta Orionis), wieder schnurrte die Steuerung los und traf wieder genau ins Schwarze.
Nun zu Sirius, das dauerte nur 3-4 Minuten, also Zeit für einen Schluck heißen Tee. Sirius war zwar im Okular, diesmal gab es aber eine Abweichung von etwa 20. Konnte das an einer ungenügenden Ausrichtung liegen? Zuerst aber wollte ich mal schnell M41 sehen, also zentrierte ich Sirius, synchronisierte ihn und klickte auf M41, der auch kurz darauf schön mittig zu sehen war. Nun zu Saiph (Kappa Orionis), und wieder gab es eine Abweichung von etwa 20. Ich zentrierte Saiph und schwenkte nochmal zu M42, was wieder wunderbar klappte. Es lag also doch an der Ausrichtung.

Goto funktioniert mit CdC bei der Littlefoot also wirklich super, und das gleich beim ersten Versuch. Wir hatten die Geschwindigkeit bei 27x, vor lauter Freude vergass ich leider, daß ich auch nochmal 40x ausprobieren wollte. Später fiel mir übrigens ein, daß ich bei der Einnordung mal wieder vergessen hatte, daß man bei Polsucher.exe extra angeben muss, daß das Bild der Stellung des Polarsterns zum Himmelspol umgekehrt angezeigt wird. Ich hatte also ziemlich ungenau ausgerichtet.


Nun testeten wir erstmal die Webcam. Da das unsere erste Erfahrung mit der Webcam war, steckten wir sie zunächst wegen der Lichtstärke in den Skywatcher, und nicht in das Lidl. Das Lidl war aber zum Testen der Stabilität auch mit draufgeschnallt. Zuerst hatte ich Rigel nicht genau in der Mitte, da sahen wir dann mit der ToUCam nichts, egal wie wir fokussierten. Dann habe ich Rigel noch mal richtig im Okular zentriert (wieder Cam raus, Oku rein-raus, Cam wieder rein) und da sahen wir mit der ToUCam auch schon den Schatten der Spinne, nun war das fokussieren wirklich einfach. Die Steuerbox für meine selbstgebaute Motorfokussierung lag neben dem Notebook.
Wir konnten auf dem Display genau erkennen, wann der Stern rund und die Spikes nicht mehr geteilt waren. Bei der MCU Control Software kann man ein Fadenkreuz auf das Objekt zum manuellen Guiden legen, wer also keine Steuerung mit PC Anbindung hat kann so auch auf ein Fadenkreuzokular verzichten. Fokussieren kann man auch prima mit dieser Software, es gibt aber auch spezielle Programme zum Webcamfokussieren, die einem noch Bildwerte mitliefern. Auch das Autoguiding lief nach einigen Einstellungsproblemen auf den ersten Blick recht gut.

Beim MCU Update Control Plus muss man unbedingt die folgende Reihenfolge beim Start befolgen, sonst ist der Button "Guide" nicht verfügbar:
MCU Control starten - Connect herstellen mit der Steuerung - Setting Status abfragen - und dann erst das Webcam Menü aufrufen.
Dies kann aber auch an unserem alten Laptop gelegen haben, so funktionierte es auf jeden Fall.

Dann verließ uns nach gut einer Stunde schon die Stromversorgung, die Kälte mit gut -5 war zuviel für die Akkus, obwohl wir den Akku im Auto stehen hatten. Sogar mein direkt vor der Abfahrt vollgeladenes Handy zeigte mir ungenügenden Akkustand an, am nächsten Morgen im Warmen war das Handy wieder voll!
Mit dem bisherigen Test waren wir aber schon sehr zufrieden. Das nächste Mal nehmen wir entweder einen Powerblock mit 55 Ah mit, oder wir versuchen den Akku in einem Styroporbehälter aufzubewahren.

Alles war total eingefroren und mit Rauhreif überzogen, aber die kleine "Hundehütte" aus Pappe und Folie hielt das Notebook total beschlagfrei.
Nachdem wir die Technik verstaut hatten, widmeten wir uns nochmal Saturn. Saturn mit 3 Stunden ausgekühltem Rohr war einfach erste Sahne, und das mit einem einfachen 3,6 mm Kellner. Die Cassini-Teilung war wie in die Ringe geschnitzt und Atmosphärenbänder gut zu erkennen. Im 6mm Plössl waren Titan, Thetis, Rhea, Dione 1a auszumachen, ich will jetzt nicht behaupten wir hätten Hyperion auch noch gesehen, aber irgandwas war da. Selbst bei Verwendung des 3,6mm Kellner mit einer 1,5x Barlow war das Bild noch überraschend gut (natürlich weniger kontrastreich, aber schön groß und immer noch mit ausreichend Details). Eine schöne Leistung des Skywatcher.
Währenddessen wurde die Steuerung von einem kleinen Batteriepack versorgt, was nachher bei der Korrektur in Dek. auch nicht mehr richtig funktionierte. Also musste ich Hand anlegen, und nun zeigte sich die ADM von ausgezeichneter Stabilität. Selbst bei 200 fach konnte man getrost die Konterschrauben lösen und manuell sogar ohne Wellen fein verstellen.
Beim Abbau der Monti stellte ich allerdings fest, daß diese extrem schwergängig geworden war. Das verwendete Aviacal 2MZ NLGI2 Kalzium Komplex Universal Fett schien doch bei Kälte recht zäh zu werden. Trotzdem war die Nachführung in RA immer noch sehr gut gewesen.


Obwohl wir Goto mit 40x, Autoguiding im Detail mit dem Lidl, PEC und Intelly Track nicht ausprobieren konnten waren wir schon vollauf zufrieden mit diesen ersten Ergebnissen. Rom wurde ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut.
Wir freuen uns schon auf die nächsten Tests.




Nachtrag

Ein paar Tage nach diesem Test war ich noch einmal alleine draußen und testete den Akku in einer mit Wärmegelpacks beheizten Styroporbox. Die Akkuleistung verdoppelte sich zwar, aber mit 2 Stunden hat man insgesamt doch zu wenig Leistung, so daß wir in Zukunft einen 55 Ah Akku verwenden werden.
Ein weiterer Test im Garten bei Carsten mit gesicherter Hausstromversorgung bestätigte unsere Vermutung beim Goto. Diesmal ließ ich wesentlich mehr Sorgfalt beim Einnorden walten, und die Abweichung war deutlich geringer (nur noch bei 10-15). Goto mit 40x ist kein Problem, Motoren und Steuerung machen das problemlos mit, eine deutlich stärkere Abweichung war nicht festzustellen. Weitere Versuche mit Autoguiding waren wesentlich erfolgreicher, über eine Stunde konnte ein Stern in der Mitte gehalten werden, allerdings mit kleinen Ausdriftern. Da müssen wir nochmal am Getriebespiel nacharbeiten und evtl. den Autoguider etwas grober von der minimalen Abweichung einstellen. PEC ist mit dem Autoguider zwar möglich, doch liefert dieser mehr als 256 Korrekturen, also mehr, als in der PEC Tabelle erfasst werden können. Eine Aussage zum PE der ADM können wir daher noch nicht treffen, ein manueller PEC muss da noch erfolgen.

Die festgestellte Schwergängigkeit betrifft glücklicherweise nur das äußere Lager, das mit den Feststellschrauben fixiert wird. Die Scheckenwellen und das innere Lager bleiben aber auch bei -10 leichtgängig. Wahrscheinlich zieht sich das Alugussgehäuse um das äußere Lager stärker zusammen als das Alulager selbst.

tinc