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Der Kontrabass

Kleine Bildergalerie

"Drei Chinesen mit dem Kontrabass", das ist das häufigste Zitat, das ich höre, wenn ich mit meinem Instrument unterwegs bin. Meist werde ich belächelt, oder noch schlimmer, bemitleidet. Dabei ist das Instrument trotz seiner Größe recht gut zu transportieren. Na klar, das ist keine Flöte, aber mit ein paar kleinen Tricks kann ich auch mit dem Kontrabass recht flink unterwegs sein.

Und damit bin ich schon beim wichtigtsten Merkmal dieses Instruments: Seine Größe. Dementsprechend sind auch seine Spitznamen:
"Der Schrank", "Die Hundehütte" , "Die Kiste" oder (ganz gemein) "Das Brennholz".

Bei diesen Spitznamen gibt es aber keine schlimmere Bezeichnung als "Die Bassgeige". Das ist absolut unwürdig, denn der Kontrabass ist nicht einfach nur eine große Geige. NEIN! Der Kontrabass ist ein eigenständiges Instrument der Streichinstrumentenfamilie. Er ist in seiner historischen Entwicklung eher mit den Gamben verwandt und hat teilweise sehr merkwürdige Schöpfungen des Instrumentenbaus hervorgebracht.
Nennen sie ihn also bitte nie Bassgeige.

Schauen wir ihn uns doch einfach mal genauer an.





Der hier abgebildete Kontrabass ist ein Mittenwald Kontrabass aus dem Karwendel anno 1986, aus Serienfertigung. Er hat eine Decke aus Fichte, Zargen und Boden sind aus Sperrholz. Dies hat auch einen Vorteil, nämlich daß er gegenüber Massivholzbässen bei starken Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen bisher keinerlei Risse bekommen hat und auch durch Transport bisher keinerlei Schaden genommen hat (Flug-, Zug-, Autoreisen). Als Reiseinstrument ist er also bestens geeignet. Klanglich hat sich dieses Instrument überaus gut entwickelt. Im Orchester, aber auch in der Kammermusik, hat er sich mit einem schönen, runden, warmen und kräftigem Ton bestens bewährt. Im solistischen Bereich stößt man mit ihm dann an seine Grenzen.
Er ist mir ein jahrelanger treuer Begleiter auf dem ich immer noch am liebsten spiele.

Kurze Geschichte des Kontrabasses

Über Saitenanzahl, Stimmungen und Bauweisen

Bis zu etwa zur Mitte des 17. Jh. war die instrumentale Musik streng der vokalen untergeordnet. Rein Instrumentale Musik war von den Kirchen als weltlich verachtet und fand daher noch keinen Eingang in der höfischen Musik. Die Streichinstrumente waren als Gamben aus den volkstümlichen Instrumenten stilistisch entwickelt und den klanglichen Vorstellungen angepasst. Gamben haben einen leiseren und etwas fahlen Klang. Charakteristisch für die Bauweise waren ein flacher Boden und herabfallende Schultern. Oft waren sie mit Bünden auf dem Griffbrett ausgestattet. Gamben wurden vorrangig gespielt.

In der Renaissance gewann die Instrumentalmusik zunehmend an Eigenständigkeit. Mit Barock und besonders der Klassik entstanden völlig neue klangliche Ansprüche an die Instrumente. Die Familie der Violininstrumente verdrängte aufgrund eines helleren und lauteren Klanges die Gamben.
"Kombo" um 1750 mit Bass


Während Geige, Bratsche und Cello früh zu einer einheitlichen Bauweise und der 4 saitigen Stimmung in Quinten gelangten, nahm der Kontrabass hier lange Zeit eine "Zwitterstellung" ein. Aus dem 18. Jh. sind noch etliche verschiedene Bauweisen überliefert, mit unterschiedlicher Saitenzahl und Stimmung. Heute sind bis zu 20 (!) verschiedene Stimmungen der Saiten aus dieser Zeit bekannt. Instrumente mit mehr als 6 Saiten die ähnlich einer Arpeggione mehrstimmig gespielt wurden sind historischem Bildmaterial zu entnehmen. Es gab kleinere Bariton und Tenorinstrumente. Aufgrund der Vielfalt gab es die Bezeichnung Kontrabass im eigentlichen Sinne nicht, es wurde vielmehr vom Violon oder der Violone gesprochen

Französicher "Kontrabass"
um 1780, ital. Bauart


Erwähnenswert seien hier nur die Wiener Kontrabässe mit 4 (5) Saiten in der sogenannten "Terz-Quartstimmung". Diese Instrumente bildeten für gut 30 Jahre im deutschsprachigen Raum das Hauptinstrument der Bassisten. Die ersten Kontrabass-Solowerke Dittersdorfs, Spergers und Vanhals waren höchstwahrscheinlich für diese Stimmung ausgelegt.


Um 1800 setzten sich 2 Kontrabässe durch: Der 3 Saiter wurde noch bis etwa 1850 in Frankreich gespielt. Er erwies sich wegen der Stimmung in Quinten als spieltechnisch unzureichend. Musiker, die ein in Quarten gestimmtes Instrument spielten, brachten es wegen der wesentlich einfacheren Grifftechnik zu zu einem deutlich höheren Grad der Virtuosität auf diesem Instrument. Seitdem existiert nur noch der 4 Saiter in Quartstimmung.

   Dragonetti mit 3 Saiter

dragonetti

3 saitige Instrumente wurden in Quartstimmung von Domenico Dragonnetti und Giovanni Bottesinni im 19. Jh. als Soloinstrumente gespielt. Die tiefste Saite wurde weggelassen. Hierbei wurde aber für einen brillianteren Klang die Stimmung um einen Ganzton erhöht. Diese wird auch heute noch als sogenannte "Solostimmung" bei der Aufführung von Solokonzerten angewandt.

Genormte Maße wurden erst im 20. Jh. festgelegt. Ein gewölbter Boden wie bei den anderen Streichinstrumenten ist inzwischen Standard. Kennzeichnend sind immer noch die herabfallenden Schultern. Diese Bauweise ist spieltechnisch zum Erreichen der Daumenlagen notwendig.

Auch beim Kontrabass gibt es normierte Größen: halbe, dreiviertel und ganze Kontrabässe. Halbe Bässe sind reine Schülerinstrumente. Die anderen beiden sind für Bassisten unterschiedlicher Statur. Im Orchester gibt es noch den 5-Saiter mit einer zusätzlichen tiefen Saite für die Suboktave, die einen unglaublich klangfüllenden Effekt hat. Brahms ohne 5-Saiter ist für mich beispielsweise unvorstellbar.

Trotz der inzwischen einheitlichen Stimmung und Bauweise werden immer noch gerne Instrumente in historischen Bauformen gebaut oder restauriert. Sie finden daher im Orchester oft noch Instrumente in italienischer Bauweise, Instrumente mit flachen Böden wie bei Gamben und auch die Bassetto Bauform. Zunehmend an einer historischen Aufführungspraxis orientiert werden auch alte Wiener Kontrabässe restauriert und mit Quartstimmung wieder eingesetzt.


tinc